„Gabriele, was hat dich mutig werden lassen?“ Dieser Einladung von Silvia Reindl – mutmacherin.at – bin ich gerne nachgekommen. Silvia ist Unternehmerin, Netzwerkerin und Mutmacherin. Eine erfolgreiche, bezaubernde, starke, selbstbewusste, aktive, kluge, mehrfach ausgezeichnete Frau. Eine inspirierende Persönlichkeit mit viel Herz und Verstand. Mit ihrem Projekt mutmacherin.at holt sie Frauen vor den Vorhang, und gibt ihren Begegnungen, Lebensgeschichten und Gedanken eine Bühne.

„Gabriele, was bedeutet für dich Mut? Wie hast du Mut entwickelt?“ Hier mein Gastbeitrag zum Nachlesen:

Die Rebellin in mir

trieb mich schon in jungen Jahren vehement an. Laufend verleitete sie mich dazu, meinem Instinkt und meiner Vorstellung, von einem absichtl!ch guten Zusammen-Leben, zu folgen. Mir waren damals vor allem Gerechtigkeit, Vielfalt, Echtheit, Freiheit und Optimismus wichtig (auch heute noch). Das brachte mich in die eine oder andere Schwierigkeit, denn wenn ich Ungerechtigkeit vorfand, wurde ich ungefragt aktiv. Außerdem dachte ich an ein Leben mit Spaß und Erfolg, wofür ich bereit war Leistung zu erbringen.

Mein Berufsleben prägte mich auf eine außergewöhnliche Weise, und Mut spielte dabei eine zentrale Rolle.

Deutlich mehr Menschen gaben mir den Rat, mich von großen Vorhaben oder Ideen zu distanzieren. Nur wenige machten die Ausnahme, doch diese waren von Bedeutung.

„Mädchen sind dafür nicht geeignet, Jungs sind dafür besser,“ teilte man mir mit, als ich mich für eine Ausbildung als Technische Zeichnerin bewarb. Ich wollte Neues erschaffen und hatte für danach bereits Pläne im kreativen Bereich.

Mit der Erstaussage bei meiner Anfrage zum Ausbildungsplatz, wurde die Rebellin in mir wachgerufen: Das Ziel war also, beim Bewerbungsverfahren maßgeblich besser zu sein, als die männlichen Bewerber.

Geschafft. Ich überzeugte. Man(n) sagte mir den Ausbildungsplatz zu und wolle es erstmals mit einer weiblichen Person versuchen. Ich war überglücklich, doch nur wenige Tage später folgte das Aus. Mir wurde mitgeteilt, dass die Arbeitsplatzsicherung eine zusätzliche sanitäre Einrichtung vorschreibt. Diese bauliche Maßnahme würde man „nur meinetwegen nicht machen, weshalb der Ausbildungsplatz kurzerhand an einen männlichen Bewerber weitergereicht wurde.

Du akzeptierst keine Lösung, so lange du das Problem bevorzugst.

Ich lehnte danach Angebote von anderen Branchen ab, gleichzeitig bestätigte man mir kreatives Talent. Ich war fixiert auf meinen Plan, nichts anderes wollte ich akzeptieren. Erst nach der 127sten Absage – gab ich auf. Ein Ordner voll Bewerbungen mit Absagen. Die Enttäuschung war riesig und ich erkannte, dass Beharrlichkeit alleine nicht ausreicht. Erst mit der Bereitschaft loszulassen und etwas Neues zuzulassen, stellte sich ein Gefühl von Verbesserung für mich ein. Was, wenn es etwas Besseres für mich gibt? Ausgang unbekannt.

Was folgte, war eine kaufmännische Ausbildung in einem großen Industriebetrieb. Ich sah die Möglichkeit mich in vielen Bereichen einarbeiten zu können, Erfahrungen zu sammeln, und den Vorteil, mir eine erste, berufliche Basis zu sichern. Danach könnte ich erneut entscheiden, in welche Richtung ich weitergehe.

Zweifle nicht immer an dir. Zweifle auch mal am Gegenüber. 

Während meiner Ausbildung war ich voller Selbstzweifel. Ich fühlte mich in meiner Haut nicht wohl; gleichzeitig wollte ich es jedem Recht machen, und mir selbst beweisen, dass ich gut bin.

Meine Chefin war zeitgleich die verantwortliche Ausbilderin im Unternehmen. Ich dachte mir, in dieser Position kann das nur jemand sein, der unser Bestes möchte. Jemand, der uns unterstützt als auch fördert, erfolgreich zu werden. Dachte ich.

Es kam anders. Sie empfand vor allem Jugendliche aus ländlichen Regionen – wo ich herkam – als nicht so gebildet, mit schlechten Umgangsformen. Sie freute sich über Menschen aus Akademikerfamilien – konnte ich ihr ebenso nicht bieten – und gab klar zu verstehen, dass diese Personen wertvoller seien.

Was für sie vor allem zählte, war die Meinung von Menschen in hochrangigen Positionen, aus Industrie und Politik. Alle anderen hatten sich anzupassen; diese Forderung stellte sie auch an sich selbst. Dazu folgten Hinweise von ihr an mich, wie: „Seien sie froh, dass sie hier sein können … und irgendwann wird sie schon ein Mann heiraten, dann sind sie abgesichert.“

Das Gute, es waren im Laufe der Ausbildungsjahre so viele Kritikpunkte, dass ich es irgendwann in Frage stellte: Kann es sein, dass ich in der Tat so falsch bin, wie sie meint? In jeder Weise verkehrt denke? Wirklich weniger Wert bin als die anderen? Während ich verantwortungsvolle Aufgaben bekomme und erfolgreich abschließe?

Ich wusste noch zu wenig von mir und dem Leben. Vorgesetzte, Menschen mit Vorbildfunktion, schenkte ich daher mehr Zutrauen als mir selbst.

Mut kann auch ganz sanft und leise. Eine ruhige Stimme, die dir Zuspruch und Ansporn gibt, es immer wieder zu versuchen.

Es kam der Zeiptunkt, als ich anfing – ihr und mir – beweisen zu wollen, dass ich besser bin als angenommen. Ich besuchte jedes mir mögliche Seminar. Ich lies Fachbücher im Bereich Persönlichkeitsbildung und nahm jede an mich gestellte Aufgabe an. Dort wo KollegInnen ablehnten, nahm ich die Herausforderung an. Jetzt erst recht.

Und dann kam dieser eine Trainer. Bei einem Seminar zum Thema Teambuilding und Führung bat mich der Trainer um ein Gespräch. Er hätte Dinge beobachtet, welche er mir mitteilen möchte. Er sagte: Mein Können werde nicht ausreichend gesehen, weshalb er mir die Empfehlung gab, meinen Instinkt und meine Beobachtungsgabe selbstständig weiterzuentwickeln. Weiters erkenne er Potential hinsichtlich meiner Einschätzung von Situationen und Menschen.

Wer Menschen erfolgreich entwickeln und führen möchte, muss an sie glauben können.

Jetzt war ich überfordert. Jemanden zu treffen der mir sagte, dass ich da ein paar Dinge richtig gut kann?! Ich?! Er glaubte an mich, als ich es noch nicht konnte.

Einige Zeit später kündigte ich, wobei man mir beim Kündigungsgespräch noch eindringlich mitteilte: „… wenn sie gehen, werden sie im Leben kläglich scheitern.“

Meine Angst sagte: Was wenn sie recht haben? Und mein Mut antwortete: Was, wenn sie sich täuschen?

Am Tag darauf arbeitete ich in einem Unternehmen das jung, dynamisch, und gerade sehr erfolgreich im Aufbau war – in kurzer Zeit weltweiter Marktführer in seiner Branche. Dort wollte man mich und unterstützte man mein Interesse nach Aus- und Weiterbildungen. Ich war davon überzeugt, dass mich Wissen voranbringt, weshalb ich unbeirrt Zeit und Geld investierte, vor allem im Bereich Marketing, Kommunikation, Persönlichkeitsbildung.

Das erfolgreiche Lösen von Problemen – für KollegInnen und Kunden – motivierte mich.

Ich übernahm nach einiger Zeit eine verantwortungsvolle Führungsposition. Und bat nach einem Jahr darum, diese eintauschen zu können, gegen eine Position im Vertriebsteam D-A-CH. Der Grund: Meine Erwartung(en) an eine qualifizierte Führungsperson war hoch, sodass ich, damit ich dieser meiner Vorstellung entsprechen konnte, zum Unternehmenssitz in Deutschland wechseln wollte. Auf diese Weise konnte ich die aus meiner Sicht nötigen Erfahrungen sammeln. Dazu weitere Ausbildungen im Trainerwesen machen, mich weiteren, neuen Herausforderungen stellen, und einen vielfältigen Aufgabenbereich übernehmen.

Mehrfach wurde die Entscheidung, eine Führungsposition freiwillig abzugeben, verurteilt. ‚Schließlich ginge man in der Karriereleiter nach oben und niemals nach unten`, gaben sie mir zu wissen. Mir war klar, dass ich erneut etwas tat, dass nicht der Norm entsprach. Doch mein Instinkt beruhigte mich und wies mich darauf hin, dass es genau richtig sei.

Wo andere einen Rückschritt sahen, sah ich einen Fortschritt. Geworden ist es mein bis dahin größter, beruflicher sowie persönlicher, Erfolg. Mehrfach beste Vertriebsmitarbeiterin im deutschsprachigen Raum, Top-Trainerin für den Bereich Verkauf, Mitarbeitercoach, und bei den Kund:innen gern gesehene Geschäftspartnerin. Ich hatte Führungsrollen in vielen Bereichen. Dazu noch eine zauberhafte Wohnung im wunderschönen Tegernsee (Bayern), mit privatem See-Zugang, und großartige Nachbarn aus der Film- und Unternehmerbranche.

Im Moment des Erfolgs, blicke ich auf den Weg der mich dahin gebracht hat.

In dieser Zeit habe ich Extreme ausprobiert und mehrfach Grenzen überschritten, um Unmögliches zu Möglichem zu machen. Mut war meine treue Begleitung geworden, denn es gab laufend Herausforderungen zu meistern. Echte Erfahrungen haben mich persönlich stark weiterentwickelt, nicht das bloße Nachdenken darüber. Viele Begegnungen und beständiges Handeln hat indessen mein Selbstbewusstsein gefördert und mich zu Erfolg geführt.

Jeder Moment steht dir nur einmal zur Verfügung.

Nach einiger Zeit war in mir war eine Lücke entstanden, die auch jeder weitere Erfolg, und noch so schöne Abend am See, nicht füllen konnte.

Mein Instinkt sagte mir schon eine ganze Weile, was die Lösung war, doch mein Kopf wollte dem nicht Folge leisten. Kündigen und selbstständig machen. Menschen fortan unterstützen und Persönlichkeiten stärken. Selbstgespräche häuften sich: „Bist du verrückt? Du verdienst sehr gut, bist erfolgreich, hast ein gutes Team um dich! Du hast so viel auf dich genommen, hart für diesen Erfolg gearbeitet, und jetzt willst du das alles aufgeben …?“

Ich war erschöpft und ausgelaugt von diesen intensiven Arbeitsjahren. Von den Ent-Täuschungen und vom Druck, den Erfolg permanent ganz oben halten zu können. Vielleicht brauchte es einfach nur Urlaub oder eine längere Auszeit, überlegte ich weiter. Ich war verunsichert eine falsche Entscheidung zu treffen. Schließlich stand für mich viel am Spiel, und ich mochte was ich tat, aber … Die Stimme in mir wurde immer lauter und so stellte ich mir zwei letzte, entscheidende Fragen:

o Willst du in 5 Jahren noch das machen, was du jetzt machst? o Wenn du den Schritt in die Selbstständigkeit, mit deiner Vision von Persönlichkeiten stärken und Führung entwickeln nicht folgst, wirst du dir das dann irgendwann vorwerfen?

Ein paar Tage später kündigte ich. Überraschend für viele – alle. Ich erntete für diese Entscheidung umgehend viel Kritik. Dazu kamen alle ihre Ängste und Sorgen. Und trotz meiner zuvor erreichten Erfolge und Leistungen, sagten sie jetzt zu mir, dass ich dumm sei.

Die Meinung anderer ist nicht meine Wahrheit. Ich bin verantwortlich.

Im Frühjahr 2013 ging ich in die Selbstständigkeit. Meine Kritiker waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht weniger geworden, doch ich war überzeugt von meiner Vision. Und ich wusste aus Erfahrung, es wird der Zeitpunkt kommen, wo sie mir (erneut) sagen werden: „Ich wusste schon immer, dass du das schaffst.“ Mhm.

Seither dient mir die Meinung anderer lediglich als Feedback. Sie zeigt mir, was für sie warum-nicht oder eben-doch möglich ist.

Ich bin größer als die Schublade, in die sie mich stecken wollen.

Mut und Instinkt waren erneut meine besten Unterstützter. Sie ließen mich auch hier wissen, dass das jetzt vollkommen richtig war. Ausgang unbekannt. Meine Vision klar, und die Lücke in mir sinn-erfüllt.

Voller Vertrauen und mutig tat ich das, worauf mein Weg mich hinwies. Das, wofür ich mein Können und Potential stets förderte. Das, worauf ich jahrelang vorbereitet wurde: Menschen zu unterstützen wieder an sich zu glauben. Selbstbewusstsein und individuelles Potential zu fördern. Persönlichkeiten zu stärken, für gelingende Beziehungen und inspirierende Menschenführung!

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