NOTIZ AUS COACHING PERSÖNLICHKEIT I MENTORING SELBSTBEWUSST
Wenn deine Emotion stärker ist als dein Wissen …
In meinen Coachings und Mentorings erfahre ich oft, dass sich Menschen immens viel Wissen aneignen, Fleiß und Disziplin beweisen, trotzdem ’stecken sie fest’. Sie stellen sich selbst infrage, bevor sie es mit Ausreden rechtfertigen, und suchen weiter nach Lösungen.
So manche Person würde jetzt sagen: lass es doch einfach sein. Nicht diese.
Warum sie nicht aufgeben?
Weil sie spüren: das ist noch nicht alles – da ist mehr möglich.
Weil sie der Gedanke nicht loslässt: ich kann es – ich erreiche das.
Auch eine Kundin im Coaching sagte zum Start unserer Zusammenarbeit, sie stecke fest. Sowohl persönlich als auch beruflich habe sie viel investiert. Mehr Wissen, mehr Fleiß, mehr Ratschläge, mehr Lösungen. Jetzt sei sie zwar noch ’schlauer’, aber der hohe Druck im Business und die ständigen Selbstzweifel seien geblieben.
„Ich muss wohl noch viel lernen.“
Da werde ich (u. a.) hellhörig. Das solltest du auch: Wenn deine Wissensbildung fortlaufend erfolgt, du also gefühlt immer im Lernmodus bist, sich jedoch deine Ergebnisse nicht verändern – warum dann noch mehr lernen?
Mit dem Fokus „ich muss noch viel lernen“ verstärken einige damit ihre Zweifel. Andere wiederum legen sich damit das Motiv zurecht: ich kann noch nicht. Während sie mit Leistung und manchmal massiver „Härte gegenüber sich selbst“ versuchen, ihr Ziel zu erreichen.
Das Wissen ist oft vorhanden. Mehr als gebraucht wird, um Veränderungen in die richtige Richtung anzustoßen.
Hier die Lösung: Das Wissen ist da. Der Geist ist klug, doch die emotionale Reaktion folgt weiterhin den altbekannten Mustern.
Fängst du an, etwas zu verändern, werden dir Emotionen, innerer Kritiker oder das schlechte Gewissen häufig den Erfolg nehmen. Alte, erlernte, wiederholte und bestätigte emotionale Reaktionen sind es, die neues Verhalten und Empfinden tatsächlich ’so schwer’ machen.
Sind es bei den einen mehr die Stimmen vom inneren Kritiker, sind es bei anderen die unangenehmen körperlichen Empfindungen, die den Anschein machen:
- es fehlt noch an Wissen
- die Zeit ist wohl noch nicht reif dafür
- es ist nicht stimmig
- es braucht noch XY, sonst geht’s nicht
Was hier unbewusst die Führung übernommen hat, sind häufig vertraute Schutz- und Reaktionsmuster. (Ego zeigt sich hier gern.) Löst sich dann genau deshalb ein gewohntes, bekanntes Gefühl aus, geht es nicht mehr in Richtung Veränderung, sondern in Richtung ‚kenn ich – fühlt sich stimmig an‘.
Wer Veränderung, echte Veränderung in einem Lebensbereich anstrebt, muss seine Emotionen neu ausrichten und seine Gedanken in die erwünschte Richtung steuern. Das alles mit vollem Selbstbewusstsein und Training.
Warum Training – oder besser gesagt ständige Wiederholung? Deine Emotionen laufen vermutlich seit Jahren ohne klare Führung. Vielleicht haben sogar sie das Steuer in der Hand. Was ein Grund sein kann, dass man ‚feststeckt‘ – trotz Wissen, trotz Anstrengung, trotz Kompetenz, trotz Liebe, trotz Mut.
Wenn du dir sagst: ich verdiene finanziellen Erfolg. Fühlst du das auch so?
Wenn du dir denkst: ich bin gelassen, klug und kompetent. Fühlst du das auch genauso?
Wenn du vor Herausforderungen stehst und dir denkst: ich kriege das hin. Fühlst du das tatsächlich – ohne Angst, ohne Zweifel?
Ein Mensch kann rational wissen, was richtig wäre, und emotional trotzdem am Vertrauten festhalten. Veränderung braucht nicht zwingend noch mehr Wissen, sondern ein anderes Erleben. Ein wiederholtes neues Verhalten. Und dazu die Fähigkeit, neue Emotionen zu entwickeln und in die richtige Richtung zu führen.
Emotion schlägt Wissen. Als ich das einst nicht mehr nur verstanden, sondern auch akzeptiert habe, war Veränderung wie erwartet möglich.