„Ich habe ihm gesagt, dass er übertreibt. Das Thema ist für mich kein Thema.“
„Sie war verunsichert, deshalb sagte ich ihr sie braucht sich nicht zu sorgen.“
„Das Team braucht sich darüber keine Gedanken machen. Nächster Punkt …“
Antworten wie diese – gemeint als Lösung – verfehlen das Ziel. Und das bleibt oft unbemerkt. Weil, wie ich beobachte vielen nicht bewusst ist, dass sich eine Emotion durchein Gegenargument nicht einfach klärt oder verändert.
„Kein Grund sich so aufzuregen. Nichts kann man mehr sagen …“ – teilt mir die Führungskraft im Coaching mit. Und während sie weiter ausholte fiel auch ihr nicht auf, dass sie gerade selbst tief in ihre Emotionswelt eingetaucht war.
Ich nutzte die Gelegenheit um ihr folgendermaßen zu antworten: „Deinen Ärger kannst du bequem sein lassen.“ „Nein. Das Verhalten regt mich massiv auf !!!“ – sagt sie mir mit viel Gestik und entsprechender Mimik. Ich gebe zu, auch mit etwas Fassungslosigkeit; mit dieser Antwort von mir hat sie nicht gerechnet.
„Okay, aber das ist kein Grund, dass du dich so aufregst“, sage ich weiter … mit entsprechender Sorgfalt und angewandter Methodik. Und plötzlich wird ihr klar, wie es sich anfühlt, wenn eigene Emotionen (verbunden mit starken Gedanken) vom Gegenüber abgetan werden – unberücksichtigt bleiben.
Wir reflektierten die soeben erfahrene Situation. Sie sagte:
- Ich fühlte mich nicht verstanden.
- Ich wollte flüchten.
- Ich stellte für einen Augenblick deine Kompetenz in Frage.
- Auch erinnerte es mich an etwas: eine Kränkung aus der Vergangenheit kam hoch. Eine Erfahrung, in der ich „nicht ernst genommen wurde“ – was damals zur Konsequenz hatte, dass ich anfing an mir zu zweifeln. Ich dachte, mit mir stimmt was nicht.
!! Wenige Minuten, in denen so viel passieren kann, wenn Führung den Fehler macht – Emotionen unzureichend zu steuern.
Wir schwächen das Potenzial von Mitarbeiter:innen, stören die Leistungsfähigkeit und verbrennen weitere Ressourcen, wenn wir Fehler in der Kommunikation und Führung wie eben beschrieben machen.
Es ist wichtig, dass sich motivierte Leute im Team gerne anstrengen. Doch bitte auf Basis echter, nicht aufgrund verschobener Emotionen. Werden Emotionen nicht korrekt geführt, hört das Team auf, sich dir mitzuteilen. Dann fehlen dir wichtige Informationen. Und zwar genau dann, wenn du sie am dringendsten brauchst: zur schnellen Entscheidungsfindung, beim Entwickeln neuer Vorhaben, in Momenten, in denen DU Sicherheit und Vertrauen aus dem Team brauchst.
! Emotionen anderer musst nicht du als Führungskraft lösen.
Hör im ersten Schritt zu, ohne auf Widerstand zu gehen. Nicht immer so leicht. Vor allem dann, wenn die Emotion bei dir selbst etwas triggert. Stelle Fragen:
- Was hat diese Sorge/Angst/Zweifel bei dir ausgelöst? Wie war die Situation?
- Wodurch hast du das so wahrgenommen? Was war deine Erwartung (davor)?
- Ich sehe deinen Ärger: Was genau ist passiert? Welchen Grund hat dieser?
Achte bei der nächsten emotionalen Mitteilung darauf.