NEWS: „Auch ich kann schnell.“

Hallo.

Ich hoffe, du bist gut in die neue Woche gestartet.

Frage: Wie häufig kommt der Wunsch ’schnell‘ bei dir vor? Und was assoziierst du damit?
Für mich ist Schnelligkeit eine Fähigkeit, die jedoch nicht auf Tempo alleine beruht.

Hauptsache es ist schnell gelöst“, war die Bitte meines Kunden, bei der Arbeit mit seinem Team. „Und außer dass es schnell sein soll – was sind deine Erwartungen und worauf legst du dabei vor allem Wert?“, fragte ich weiter. Mit gutem Grund. Denn mein Schnell, das Schnell des Teams oder das meines Kunden kann sich in vielen Facetten unterscheiden.

Ich kann den Wunsch, eine Angelegenheit schnell gelöst zu bekommen, sehr gut verstehen.

‚Auch ich kann schnell.‘ Und eine wichtige Lehre daraus, machte ich in meinen Anfangszeiten in Führungsverantwortung. Mir wurde dabei klar, dass wenn es mein Bestreben ist, ein Team zu Erfolg, zum Ziel, zu persönlichem Wachstum zu führen – mein Maßstab von Schnell eine andere Rolle als bisher spielen muss.

Es war ein Gespräch mit einer Mitarbeiterin. Sie kam zu mir und sprach von zu viel Druck, zu viel Arbeit und zu hohen Erwartungen an sie. Sie zweifelte daran, ob sie ins Team passt und redete dabei ihr eigenes Können klein. Ich hörte jemanden, der sich überfordert fühlte und nach Orientierung suchte – und sah sofort die Lösung. Ich schätzte ihre fachliche sowie persönliche Kompetenz, ihre Teamfähigkeit und mehr. Also wechselte ich – schnell – auf meine Lösungsschiene.

Ich war mir sicher: das Problem haben wir gleich gelöst. Das kam mir gelegen, denn meine nächsten Termine und Aufgaben warteten bereits.

In diesem Moment hielt sie mir den Spiegel vor. Sie ließ mich erkennen, dass ich bereits wieder dabei war, ihre zuvor geäußerten Bedürfnisse nur allzu schnell zu übergehen. Während sie mir ihre Aufmerksamkeit schenkte, war ich im Kopf längst bei meinen Lösungen.

Ich holte tief Luft. Ich entschuldigte mich. Ich sagte alle weiteren Termine des Tages ab.

Jetzt war es kein schnelles Gespräch mehr. Und erst in diesem zweiten, tieferen Teil wurde sichtbar, was wirklich dahintersteckte: Was sie zuerst äußerte waren Vorwände. Sie hatte bereits eine Lösung für sich. Und jetzt, mit beider Seiten Zeit, Ruhe und meiner vollen Aufmerksamkeit auch den Mut, mir alles zu sagen.

Sie wollte gehen. Nicht aus fehlendem Können, sondern weil sie Ziele verfolgte, die in dieser Branche, und diesem Unternehmen, für sie nicht erreichbar waren. Also erarbeiteten wir gemeinsam einen Plan, der ihr Gehen mit den laufenden Projekten in Einklang brachte. Für beide Seiten das Beste.

Der Abschied war emotional – und jedes Wiedersehen in den Jahren danach und bis heute voller Wertschätzung und echter Freude.

Hätten wir kein langes, sondern ein schnelles Gespräch geführt: hätte ich umgehend und aktiv an zuvor gedachte Lösungen gearbeitet, und die Mitarbeiterin wäre irgendwann ‚plötzlich‘ gegangen.

Meine neue Zeitrechnung

  • Schnell ist kein Ziel und auch kein klares Kriterium. Wenn mir Zeit fehlt, ist das zuerst meine Verantwortung.
  • Erfordern Aufgaben im Team eine Beschleunigung, informiere ich alle ‚in Ruhe‘ und ‚wir‘ entwickeln und vereinbaren gemeinsam passende Lösungen.
  • Schnell ersetzte ich durch Qualität. Ich führte fortan Gespräche – mit anderen und mit mir selbst – mit voller Aufmerksamkeit (nicht teilweise, nicht nebenher) und der angebrachten Präzision. Dafür wurden so manche Gespräche länger und viele Probleme weniger!
  • Diese Erfahrung ließ mich schnell besser werden. 😉

Empfinden wir Menschen etwas als unangenehm, wollen wir das sofort ändern. Raus aus der Situation – am besten gestern. Das sieht auch unser Verstand so, weshalb er gerne schnelle Lösungen liefert. Zum Beispiel: Das erste Sichtbare lösen, um schnell Erleichterung zu genießen. Das Ziel schneller erreichen, dabei Wertverlust und neue Spannungen in Kauf nehmen. Gutgemeinte Ratschläge als schnelle Hilfe, ohne das Tatsächliche zu kennen.

Weil jedoch das Schnell auch schnell zu neuen Herausforderungen führen kann, und nur wenig Substanz hat, achte darauf, dass es nicht unbemerkt zu deinem Ziel wird.

Denn dann verlässt du den Weg zu notwendiger Entwicklung und nachhaltigen Lösung. Dann gehst du an entscheidenden Ursachen (Chancen!) vorbei: die dich so lange ausbremsen, bis Klärung erfolgt.

Wer das Gefühl hat: „Nichts ändert sich“, sollte sich mal den Ursachen widmen.

Und wenn das nächste Mal ein ’schnell‘ gewünscht wird: hinterfrage es. Mein Schnell war meist kurzfristiger, als das Schnell vom Gegenüber. 😉

Alles Gute.
Gabriele

Keine Zeit für lange Gespräche? Bei uns in der Steiermark sagt man im Dialekt: "Red ma uns des aus." - Lass uns das ausreden. Da steckt viel Potenzial drin.

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